14. November 2025
Open-Source-Software und digitale Souveränität in Deutschland
Seit mehr als 150 Tagen ist die Bundesregierung nun im Amt – einige ihrer Versprechen aus dem Koalitionsvertrag scheint sie in dieser Zeit jedoch vergessen zu haben: Das Vorantreiben digitaler Souveränität und die Sicherung der technologischen Eigenständigkeit Europas zählen dazu.
Mit Sorge beobachten wir in Europa die Konsequenzen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine oder die aggressive und wechselhafte Handels- und Außenpolitik der US-Regierung um Präsident Trump. Desinformationskampagnen, fatale Abhängigkeiten in der IT-Infrastruktur, fehlende Datenhoheit: Da ist es nur sinnvoll, dass Deutschland und Europa sich verstärkt um ihre digitale Souveränität kümmern. Leider ist hierzulande noch nicht viel passiert.
Obwohl Bundesfinanzminister Klingbeil angekündigt hat, mit dem Bundeshaushalt 2025 „Rekordinvestitionen“ auch in die Digitalisierung zu tätigen, gehen diese Investitionen am Bereich Open Source komplett vorbei, mahnt die Open Source Business Alliance. Open-Source-Projekte wie das Zentrum für digitale Souveränität (ZenDiS), openCode oder openDesk werden von der Bundesregierung bislang mit Minimalbeträgen bedacht: ZenDiS etwa bräuchte jährlich rund 30 Millionen Euro, allein um vorgegebene Projekte umzusetzen – erhält aber nicht einmal ein Zehntel davon.
Die Krux: Ohne Open Source ist digitale Souveränität nicht denkbar. Open-Source-Standards und die Nutzung von Open-Source-Software sollten nicht als „nice to have“ behandelt werden, sondern als elementarer Baustein digitaler Eigenständigkeit. Als Entwickler und Anbieter eines Lernmanagementsystems, der seit jeher Open Source Software nutzt und weiterentwickelt, sehen wir die Bundesregierung in der Verantwortung, ihre Versprechen umzusetzen.
Einen konkreten Fahrplan dafür liefert Peter Ganten, Vorstandsvorsitzender der Open Source Business Alliance: „Die Bundesregierung muss im Digitalministerium einen strategischen Schwerpunkt auf Open-Source-Software setzen (z.B. mit einer eigenen Open-Source-Strategie), die im Koalitionsvertrag angekündigten ‚ambitionierten Ziele‘ für Open Source definieren und umsetzen. Also im Haushalt die bundeseigenen Open-Source-Projekte ausreichend finanzieren, beim Vergabebeschleunigungsgesetz mit einer ‚Open Source by Default‘ Regelung dafür sorgen, dass die Weichen für eine Open-Source-Transformation der Verwaltung gestellt werden, und Open-Source-Software im Deutschland-Stack verankern, um Gestaltungsfähigkeit und Kontrollierbarkeit der Software zu sichern.“
